Arno Schmidt: Leviathan

16. Mai
19:00 – 21:00

Vortrag von Prof. Dr. Ralf Czapla

Ein amerikanischer Soldat zieht zu Beginn der Geschichte eine nüchterne Kriegsbilanz: Sie haben bekommen, was sie verdienen. Haben sie? Und wer genau? Über den Blick von außen führt Arno Schmidt (1914–1979) den Leser zu einer Gruppe von Menschen im brutalen Chaos des Kriegsendes 1945, an denen diese Fragen im Verlauf der Geschichte haften bleiben. Was er skizziert, ist der Versuch ihrer Flucht vor den Trümmern, vor Konsequenzen, vor Einsicht. Und auf einer Reise voller imposanter Metaphern und tragischer Verluste arbeitet sich Schmidt, der selbst von 1940 bis 1945 Kriegsdienst leisten musste, an seinen Figuren wie an seinen eigenen traumatischen Erlebnissen ab. Dabei nutzt er wie Heinrich Böll das Motiv der Reise als Sinnbild für den Übergang in eine ungewisse Zukunft.So autobiographisch sich »Leviathan« aus Schmidts eigenem Erleben entwickelte, so sehr sind die Reisenden in dieser Geschichte auch eine Miniatur der Überreste der deutschen Gesellschaft am Ende von Krieg und NS-Gewaltherrschaft. Beide Perspektiven finden in dem Vortrag von Prof. Dr. Ralf Czapla, der an der Universität Heidelberg Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Vergleichende Literaturgeschichte lehrt, Berücksichtigung.

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Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe "1949. Die Bestseller der jungen Bundesrepublik Deutschland.":

Mit dem Inkrafttreten des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 wurde nicht nur der westdeutsche Staat gegründet. Durch den nunmehr geltenden Artikel 5 des Grundgesetzes (Meinungs-, Presse- und Wissenschaftsfreiheit) fielen auch die Zensurbestimmungen auf dem (west-)deutschen Buchmarkt erstmals seit 1933 weg.

Die Veranstaltungsreihe richtet den Blick auf Bücher von fünf Autoren, die 1949 erschienen sind und die sich in ihrer vorausgegangenen Haltung zum NS-Regime deutlich voneinander unterschieden. Heinrich Böll (1917–1985) und Arno Schmidt (1914–1979) waren beide als junge Männer zum Kriegsdienst einberufen worden, was auch ihr Nachkriegsschaffen prägte. Stefan Andres (1906–1970) war bereits 1933 nach Italien emigriert und verarbeitete seine Erfahrungen daraus. Ernst Jünger (1895–1998) versuchte sich der Vereinnahmung durch das NS-Regime zu entziehen und Thomas Mann (1875–1955) schließlich, der Älteste in der Runde, war zur bedeutendsten literarischen Leitgestalt des Exils avanciert. Mit welchen Büchern traten diese Autoren erstmals in der Bundesrepublik vor das Publikum? Dieser und anderen Fragen gehen die Referenten nach.

Eine Vortragsreihe in Kooperation mit dem Literaturbüro NRW 

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