Aktuelle Informationen zu Öffnungszeiten, Besuchsmöglichkeiten sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsangeboten des GHH

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Besucherinnen und Besucher des Gerhart-Hauptmann-Hauses,

wir freuen uns, dass wir Ihnen nach den durch die Corona-Pandemie bedingten Wochen der Schließung unseres Hauses wieder  allerdings vorläufig noch eingeschränkte – Bildungsangebote machen können. Dabei gelten gemäß den Vorgaben der zuständigen Behörden strenge Hygiene- und Sicherheitsvorschriften. Näheres dazu finden Sie unten. Wir bitten um Verständnis dafür, dass sich angesichts der sich teilweise rasch wechselnden Vorgaben auch kurzfristig Änderungen ergeben können. Insbesondere zu unseren vorläufigen Öffnungszeiten bitten wir Sie die jeweils aktuellen Mitteilungen in unseren elektronischen Medien zu beachten. Selbstverständlich sind auch telefonische Rückfragen unter 0211/16991-11 möglich oder solche per E-mail unter sekretariat(æt)g-h-h.de.

Einige der seit dem Schließungsbeschluß ausgefallenen Veranstaltungen werden mit neuen Terminen nachgeholt. Voraussichtlich wird dies nach der Sommerferienzeit möglich sein. Da momentan eine verläßliche Terminplanung noch immer schwierig ist, bitten wir Sie auch diesbezüglich die jeweils aktuellen Mitteilungen in unseren Medien zu beachten.

Unsere Bibliothek ist seit Montag, dem 25. Mai 2020 wieder geöffnet. Vorläufig gelten neue Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag, jeweils 10 bis 12 Uhr. Aufgrund der besonderen Zugangsbedingungen ist auch für den Besuch der Bibliothek eine Voranmeldung zwingend erforderlich. Bitte wenden Sie sich vorab telefonisch (0211/16991-30) oder per E-mail an unser Bibliotheksteam.

Unser Veranstaltungsprogramm wird nach der Sommerpause wieder aufgenommen – jedoch gelten auch hier bis auf Weiteres besondere Einschränkungen und Regeln. Insbesondere besteht zur Wahrung der Abstandsregeln nur ein stark eingeschränktes Platzangebot in unseren Veranstaltungsräumlichkeiten. Dies wird eine Voranmeldung vor Ihrem Besuch zwingend erforderlich machen.

Eingeschränkt ist auch wieder die Nutzung von unseren Räumlichkeiten durch Dritte möglich. Interessenten wenden sich bitte an Herrn Lask (0211/1699118 oder lask(æt)g-h-h.de).

Wir freuen uns auf ein gesundes Wiedersehen mit Ihnen in unserem Haus!

Das Team des Gerhart-Hauptmann-Hauses

Veranstaltungen

19. August, 19:45 - 21:15

»Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da« Bericht aus dem Zentrum der Atombombenexplosion von Shigemi Ideguchi

Vortrag und Lesung mit Michael Serrer

 

Im Pazifik endete der Zweite Weltkrieg nicht im Mai, sondern erst im August 1945 mit der japanischen…

Vortrag und Lesung mit Michael Serrer

 

Im Pazifik endete der Zweite Weltkrieg nicht im Mai, sondern erst im August 1945 mit der japanischen Kapitulation. Shigemi Ideguchi hat den Atombombenabwurf am 6. August 1945 auf Hiroshima aus nur 500 Metern Entfernung erlebt und überlebt. In seinem Tagebuch verarbeitete er diese »Höllenbilder in angstvoller Stille«, schilderte die Zerstörung von Gebäuden und Natur und die Auswirkungen atomarer Verstrahlung auf die Körper und Seelen der Opfer. Anlässlich des 70. Jahrestages des Bombenabwurfs 2015 haben seine Enkelin Rima Ideguchi und ihr Ehemann Fabian Liedtke das Buch ins Deutsche übertragen. Auch heute ist das Thema angesichts der zähen Verhandlungen über Atomwaffen leider weiterhin aktuell.

Michael Serrer, der Leiter des Literaturbüros NRW, liest aus dem Tagebuch von Shigemi Ideguchi und stellt den Autor und seine Geschichte vor.

 

In Kooperation mit: Literaturbüro NRW

26. August, 19:45 - 21:15

»Das nimmt ein bitteres Ende.« Die »Tag- und Nachtbücher« von Theodor Haecker

Vortrag und Lesung mit Prof. Dr. Winfrid Halder

 

Der studentische Widerstandskreis »Weiße Rose« ist fest verankert im kollektiven Gedächtnis der…

Vortrag und Lesung mit Prof. Dr. Winfrid Halder

 

Der studentische Widerstandskreis »Weiße Rose« ist fest verankert im kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Theodor Haecker (1879–1945) dagegen, der wie kaum ein anderer die jungen Mitglieder der Widerstandsgruppe intellektuell beeinflusst hat, ist heute nahezu unbekannt. Der katholische Religionsphilosoph hatte bereits in den 1920er-Jahren vehement vor Hitler und seinen Anhängern gewarnt. Einem Verfahren wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« 1943 noch durch glückliche Umstände entgangen, starb Haecker am 9. April 1945, weil er nicht mehr an lebenswichtige Medikamente gelangen konnte. Fast bis zuletzt schrieb er insgeheim Tagebuch – eine Gegenwartsanalyse und ein Zeitkommentar von einzigartiger Hellsichtigkeit. Bereits im April 1940, als die deutsche Wehrmacht vermeintlich noch auf ihrem Siegeszug durch Europa war, notierte Haecker mit Blick auf die NS-Eroberungspolitik: »Das nimmt ein bitteres Ende, die Furcht wird schwinden, der Haß aber bleiben.« Die Tagebücher wurden 1947 posthum veröffentlicht.

 

In Kooperation mit: Literaturbüro NRW

31. August, 19:00 - 20:30

Erbfeinde? Theodor Fontane und der deutsch-französische Krieg 1870/71

Kommentierte Lesung mit Dr. Katja Schlenker und Prof. Dr. Winfrid Halder

 

Beinahe wäre die deutsche Literatur um einiges ärmer geblieben. Wenn…

Kommentierte Lesung mit Dr. Katja Schlenker und Prof. Dr. Winfrid Halder

 

Beinahe wäre die deutsche Literatur um einiges ärmer geblieben. Wenn Theodor Fontane tatsächlich im Alter von 50 Jahren als vermeintlicher preußischer Spion im Oktober 1870 in Frankreich erschossen worden wäre, hätte er keinen einzigen seiner Romane schreiben können. Denn alle seine 16 größeren Erzählwerke – von »Vor dem Sturm« (1878) bis zu »Der Stechlin« (1899) – sind erst seit der zweiten Hälfte der 1870er-Jahre entstanden.

Wäre Fontane umgekehrt als Franzose hinter den Linien der preußisch-deutschen Truppen mit Notizbuch und Stift ungeniert herumspazierend aufgegriffen worden, wäre er – so wurde ihm später versichert – vermutlich ziemlich umstandslos an die nächstbeste Wand gestellt und füsiliert worden. Ein Einzelfall wäre das gewiss nicht gewesen; zwar hatte Frankreich den am 19. Juli 1870 begonnenen, vom preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck sehr gezielt herbeigeführten Krieg schon wenige Wochen später militärisch faktisch verloren, dennoch gab es noch immer erbitterte und verlustreiche Kämpfe. Besonders gefürchtet waren bei den deutschen Soldaten die meist nicht uniformierten »Franc-tireurs«, die sie zu Tausenden auf bereits besetztem französischen Territorium in einer Art Partisanenkrieg attackierten und für erhebliche Verluste sorgten. Der preußische Generalstabschef Helmuth von Moltke hatte längst befohlen, dass diese irregulären Kämpfer gemäß Standrecht zu erschießen waren, sofern man ihrer lebendig habhaft wurde.

Fontane indes, der sich ins weit vor den deutschen Linien gelegene Domrémy-la-Pucelle (Département Vosges) begeben hatte, weil er als historisch interessierter »Wanderer« den Geburtsort der französischen Nationalheiligen Jeanne d’Arc besichtigen wollte, verbrachte zwar unangenehme, sicherlich auch zeitweilig angstvolle Stunden, nachdem er am 5. Oktober 1870 gefangengenommen worden war, blieb aber unversehrt. Immerhin sah man sich auf französischer Seite veranlasst, den übrigens bei seiner Festsetzung bewaffneten deutschen Kriegsberichterstatter noch eine Weile festzuhalten und ihn dabei quer durch Frankreich bis auf die Insel Oléron vor der französischen Atlantikküste zu transportieren. Bezeichnend für die korrekte, dann immer großzügiger werdende Behandlung ist allerdings, dass man den Zivilisten Fontane als ranggleich zu einem »officier supérieur« einstufte (tatsächlich hatte es Fontane währende seines Dienstes als Wehrpflichtiger 1844/45 nur zum Unteroffizier gebracht), ihm gar einen »Offiziersburschen« zugestand (einen ebenfalls gefangenen polnischen Wehrpflichtigen aus dem Danziger Regiment der »Totenkopf-Husaren«) und ihm so viel Freiraum gewährte, dass er noch als Inhaftierter damit begann, ein Buch über seine Erfahrungen zu schreiben.

Anders als seine hauptsächlich auf die Kriegsereignisse und militärischen Abläufe konzentrierten Bücher über die Kriege 1864, 1866 und später auch 1870/71 ist »Kriegsgefangen. Erlebtes 1870« ein »document humain«, das nicht zuletzt den französischen »Gastgebern« ein gutes Zeugnis ausstellt – so gut, dass sich Fontanes ältester Sohn George, der im Krieg 1870/71 als Offiziersanwärter in der preußischen Armee diente, wenig angetan davon zeigte. Die Aufzeichnungen erschienen erstmalig Ende Dezember 1870, und damit schon wenige Wochen nachdem Fontane freigelassen worden und nach Berlin zurückgekehrt war – mehrere Monate aber vor dem Abschluss des Friedensvertrages von Frankfurt, der im Mai 1871 Frankreichs Niederlage besiegelte und den Krieg förmlich beendete.

In Erinnerung an den Beginn des deutsch-französischen Krieges vor 150 Jahren stellen wir Theodor Fontanes bemerkenswertes Zeugnis vor.

02. September, 20:00 - 21:30

»Wir selbst« – Von der Wiedererstehung eines verschollenen Romans

Vortrag und Lesung mit Prof. Dr. Carsten Gansel

Gerhard Sawatzkys großer Gesellschaftsroman »Wir selbst« erzählt von einer untergegangenen Welt –…

Vortrag und Lesung mit Prof. Dr. Carsten Gansel

Gerhard Sawatzkys großer Gesellschaftsroman »Wir selbst« erzählt von einer untergegangenen Welt – der Welt der Wolgadeutschen in der Sowjetunion. Sawatzky schreibt den Roman in den 1930er-Jahren, kann ihn aber nicht mehr veröffentlichen. Im Terrorjahr 1938 gerät der russlanddeutsche Autor in die Mühlen des Stalinismus, wird verhaftet und in ein Lager gesteckt, in welchem er 1944 stirbt. Über Jahrzehnte gilt das Werk als verschollen.

Nach mehr als achtzig Jahren erscheint »Wir selbst« nun in der Herausgeberschaft von Carsten Gansel zum ersten Mal in seiner rekonstruierten Originalfassung bei Galiani Berlin. Der Gießener Literaturwissenschaftler berichtet von der abenteuerlichen Rettung sowie Wiederentdeckung des Romanmanuskripts und liest Auszüge aus dem Werk.

Veranstaltungsort: Zentralbibliothek, Bertha-von-Suttner-Platz 1, Düsseldorf

 

In Kooperation mit:

Stadtbüchereien Düsseldorf

Kulturreferat für Russlanddeutsche am Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

07. September, 19:00 - 20:30

Freundschaft trotzt Mauern. Überleben in und nach Hoheneck

Buchvorstellung und Gespräch mit Marie-Luise Knopp

Ermutigt durch die intensiven und positiven Reaktionen auf ihr 2018 erschienenes Buch…

Buchvorstellung und Gespräch mit Marie-Luise Knopp

Ermutigt durch die intensiven und positiven Reaktionen auf ihr 2018 erschienenes Buch »Eingesperrte Gefühle«, wagt es Maria-Luise Knopp, sich noch einmal der Vergangenheit in der DDR und der Inhaftierung im DDR-Zuchthaus Hoheneck zu stellen. Sie schließt den fragmentarischen Bericht einer verstorbenen Freundin über den seinerzeitigen Aufenthalt ab und ermunterte zudem eine weitere ehemalige Inhaftierte über das unmenschliche System von Entmündigung und Entmenschlichung zu schreiben. Doch es sind auch vor allem Berichte über Freundschaft, die die Frauen die Jahre der völligen Entrechtung überstehen ließ. Die Autorin schildert zudem, wie es den Frauen gelang, nach den Hafterfahrungen im Leben wieder Fuß zu fassen. Das im Geest-Verlag erscheinende Buch wird an diesem Abend zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

Marie-Luise Knopp wurde 1942 in einem kleinen Ort der ehemaligen DDR geboren, sie studierte Deutsch und Geschichte und arbeitete 10 Jahre als Lehrerin in Leipzig. 1974 wurde sie freigekauft und reiste in die Bundesrepublik aus. Dort arbeitete sie 30 Jahre als Lehrerin an einer Förderschule.

09. September, 19:00 - 20:30

Dimensionen der Mittäterschaft. Die europäische Kollaboration mit dem Dritten Reich

Vortrag und Diskussion mit Dr. Klaus Kellmann 

Dass bis vor Kurzem, fast 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, immer noch keine…

Vortrag und Diskussion mit Dr. Klaus Kellmann 

Dass bis vor Kurzem, fast 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, immer noch keine Gesamtdarstellung der europäischen Kollaboration mit dem Dritten Reich vorlag, kann mit Fug und Recht als das wohl größte Forschungsdesiderat in diesem historischen Problemkomplex angesehen werden.

Der promovierte Historiker Klaus Kellmann, viele Jahre Mitarbeiter der Landeszentrale für politische Bildung in Schleswig-Holstein, ausgewiesen auch als Stalinismus-Experte, hat sich dieser sensiblen Aufgabe in einer 666-seitigen Untersuchung zu allen 24 von der deutschen Wehrmacht besetzten Staaten gestellt. Er präsentiert den gewichtigen Band in seiner Konzeption und präzisiert einige Entwicklungslinien anhand ausgewählter Länderbeispiele in Einzelanalysen (Frankreich, Niederlande, Polen). Seine zentrale These lautet: Ohne schonungslose Aufarbeitung des Mitmachens und Mittuns mit den Deutschen bis hin zum Mord an den Jüdinnen und Juden wird es kein gemeinsames europäisches Narrativ und keine gemeinsame europäische Erinnerungskultur als das identitätsstiftende Element eines Europa von Morgen geben, mithin, es geht in seinem Vortrag nicht nur um die Vergangenheit, sondern nicht weniger auch um die Gegenwart und Zukunft des ganzen Kontinents. Klaus Kellmanns Buch ist seit Kurzem auch über die Bundeszentrale für politische Bildung erhältlich.

 

In Kooperation mit: Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

10. September, 18:00 - 20:00

»Ich kam als Gast in euer Land gereist …« Deutsche Antifaschisten in der Sowjetunion 1933–1956

 Ausstellungseröffnung mit einem Einführungsvortrag von Dr. Wladislaw Hedeler

 

Die zweisprachige Wander-Ausstellung dokumentiert das…

 Ausstellungseröffnung mit einem Einführungsvortrag von Dr. Wladislaw Hedeler

 

Die zweisprachige Wander-Ausstellung dokumentiert das widerspruchsvolle Schicksal deutscher Hitlergegner und ihrer Familien in der Sowjetunion der Stalinzeit. Anfang der 1930er-Jahre kamen die Deutschen als Arbeitssuchende oder nach 1933 als politisch Verfolgte hoffnungsvoll in die Sowjetunion – Frauen und Männer als Facharbeiter, Journalisten, Lehrer, Mediziner, Künstler, Architekten. Ab 1936 änderte sich die Stimmung im Land, die Deutschen in der Sowjetunion wurden Opfer des staatlichen Terrors: ermordet vom NKWD oder in Straflager deportiert, verbannt auf lange Jahre nach Sibirien und Kasachstan oder zwangsweise eingewiesen in Kinderheime. Der Rückweg nach Deutschland war abgeschnitten, die Antifaschisten wurden zu doppelt Verfolgten. Das Kriegsende und die Befreiung vom Faschismus brachte vielen Exilanten aber nicht die erhoffte Freiheit: Erst in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre konnten viele der in der Verbannung Lebenden ausreisen. Für sie war es die lang ersehnte Rückkehr in die Heimat, für ihre in der Sowjetunion sozialisierten Kinder ein schwerer Neubeginn im fremden Land.
Die gezeigten Fotos, Familienporträts und historischen Dokumente des Staatsterrors kommen aus dem Familienbesitz der Betroffenen und aus deutschen und russischen Archiven, gesammelt und aufbereitet von Hinterbliebenen der Opfer und Historikern – Initiatoren eines 2008 gegründeten Arbeitskreises zum Gedenken an die im sowjetischen Exil verfolgten deutschen Antifaschisten unter dem Dach der Berliner VVN-BdA. Parallel zu der von Inge Münz-Koenen und Dr. Wladislaw Hedeler konzipierten Ausstellung erscheint ein gleichnamiger Ausstellungsband.

 

Laufzeit der Ausstellung: 11. September – 10. Oktober 2020

 

In Kooperation mit: Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e. V. DGO

23. September, 19:00 - 20:30

Wurde der Hitler-Stalin-Pakt mit dem Blut deutscher kommunistischer Emigranten besiegelt?

Vortrag und Diskussion mit Dr. Carola Tischler

 Margarete Buber-Neumann hätte sich zweifellos gefreut, wenn sie das noch erlebt hätte – indes starb…

Vortrag und Diskussion mit Dr. Carola Tischler

 Margarete Buber-Neumann hätte sich zweifellos gefreut, wenn sie das noch erlebt hätte – indes starb sie, 88-jährig, drei Tage vor dem Fall der Berliner Mauer am 6. November 1989. Die gebürtige Potsdamerin hat die Erosion des kommunistischen Machtblocks östlich der Elbe, die lange vor 1989 begonnen hatte, bis zuletzt aufmerksam verfolgt. Sie kannte die Innenansicht des von der Sowjetunion dominierten Imperiums – mit 20 hatte sie sich der KPD angeschlossen, 1935 war sie an der Seite ihres Lebensgefährten Heinz Neumann, der zeitweilig der Parteiführung angehörte, nach Moskau gegangen. Die dort gemachten Erfahrungen haben sie dauerhaft geprägt.

Mit ihrem zuerst 1949 erschienenen Buch »Als Gefangene bei Hitler und Stalin« wurde Buber-Neumann nicht zuletzt zur Kronzeugin nicht nur der brutalen Verfolgung emigrierter deutscher Kommunisten in der stalinistischen UdSSR, sofern deren »Linientreue« angezweifelt wurde, sondern auch der Zusammenarbeit zwischen sowjetischen Geheimdienst NKWD und der Geheimen Staatspolizei der NS-Diktatur. Heinz Neumann war im Frühjahr 1937 in Moskau verhaftet worden, dass er wenige Monate später erschossen wurde, hat Buber-Neumann nie mit Gewissheit erfahren. Als Partnerin eines angeblichen »Verräters« wurde sie ihrerseits vom NKWD verhaftet, die folgende Verurteilung zu fünf Jahren Lagerhaft kann angesichts der damaligen Praxis in der Sowjetunion als milde angesehen werden. Indes hat Buber-Neumann »nur« etwas mehr als zwei Jahre als Zwangsarbeit leistender politischer Häftling in einem GULAG-Lager in Kasachstan verbracht, denn im Frühjahr 1940 wurde sie nach Westen transportiert und an der damaligen deutsch-sowjetischen Demarkationslinie (nach der gemeinsamen Zerschlagung Polens 1939) in die Hände der Gestapo übergeben. Bis zum Frühjahr 1945 blieb sie im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert. Beim Heranrücken der Roten Armee gelang ihr die Flucht nach Westdeutschland.

Margarete Buber-Neumanns Schicksal war kein Einzelfall – vielmehr wurde eine große Zahl deutscher Kommunistinnen und Kommunisten infolge des im August 1939 abgeschlossenen Hitler-Stalin-Paktes ausgeliefert. Anders als Buber-Neumann haben viele andere dies nicht überlebt. Diesem heute wohl weniger bekannten Aspekt des skrupellosen Abkommens der beiden Diktatoren geht Dr. Carola Tischler nach. Die studierte Historikerin ist seit langem beim renommierten Institut für Zeitgeschichte in München tätig und hat sich durch zahlreiche Forschungen und Publikationen den Ruf einer Sowjetunion-Expertin erarbeitet.

 

 In Kooperation mit: Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e. V. DGO

29. September, 19:00 - 20:30

Die Sicht der Anderen: das Russlandbild in Deutschland und Polen

 

Vortrag und Diskussion mit Felix Riefer

Bei einer Umfrage des Allensbach-Instituts im Frühjahr 2008 wurde an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus…

 

Vortrag und Diskussion mit Felix Riefer

Bei einer Umfrage des Allensbach-Instituts im Frühjahr 2008 wurde an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland und Russland die Frage gerichtet: »Mögen Sie eigentlich die Russen/Deutschen oder mögen Sie sie nicht besonders?« 25 % der Deutschen bekundeten grundsätzliche Sympathie für die Russen, umgekehrt aber hatten 45 % der Russen Sympathie für die Deutschen. »Nicht besonders« mochten 35 % der Deutschen die Russen, der umgekehrte Wert lag bei 27 %. 40 beziehungsweise 27 % zeigten sich jeweils unentschieden.

Die damalige Umfrage fand gegen Ende der zweiten Präsidentschaft Wladimir Putins statt. Wenige Monate zuvor hatte Putin anlässlich einer Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz entschieden antiwestliche Töne angeschlagen, so dass in der Medienberichterstattung erstmals wieder das Schlagwort eines »neuen Kalten Krieges« auftauchte.

Heute, mehr als ein Jahrzehnt später, befindet sich Wladimir Putin inmitten seiner vierten Präsidentschaft – und von einer zwischenzeitlich erreichten Entspannung kann kaum die Rede sein. Wie wird Russland heute in Deutschland wahrgenommen – haben sich Zu- und Abneigung verschoben? Welche Rolle spielt in der heutigen wechselseitigen Wahrnehmung noch das Ende des Zweiten Weltkrieges vor nunmehr 75 Jahren? Welches Gewicht haben historische Erfahrungen miteinander generell? Die Konjunkturen der jeweiligen »Bilder vom Anderen«, die in der Öffentlichkeit Vorrang haben, spielen in den Beziehungen zwischen unterschiedlichen Ländern nach wie vor eine Rolle, wenn auch keine ganz leicht einzuschätzende. Und welche Bedeutung hat geographische Nähe oder Ferne? Sehen »die Polen« »die Russen« anders, weil sie im Unterschied zu den Deutschen deren unmittelbare Nachbarn sind?

Diesen und anderen Fragen geht die Veranstaltung nach. Der Politikwissenschaftler Felix Riefer ist als Russland-Experte ausgewiesen – 1986 wurde er Leningrad, heute wieder St. Petersburg, geboren, ist aber in Bonn aufgewachsen. Die Beschäftigung mit Russland und Deutschland hat bei ihm also eine ganz persönliche, längst aber auch eine wissenschaftliche Dimension. Riefer hat in Köln und Paris studiert; kürzlich hat er an der Universität zu Köln seine Doktorarbeit zur Außenpolitik Russlands unter Wladimir Putin vorgelegt. Er hat zahlreiche Studien- und Forschungsaufenthalte in Russland und anderen postsowjetischen Staaten absolviert. Darüber hinaus hat er zahlreiche einschlägige Beiträge u. a. für die Bundeszentrale für politische Bildung verfasst. Er ist u. a. Beiratsmitglied des Lew-Kopelew-Forums in Köln.

Moderation: Prof. Dr. Winfrid Halder

 

In Kooperation mit: Konrad-Adenauer-Stiftung, Landes- und Regionalbüro Rheinland